Ein Leben für den Käse: Bergader Seniorchefin Charlotte Steffel feiert ihren 95. Geburtstag

20.02.2020

Aktuelles, Charlotte Steffel

Ab ihrem 20. Lebensjahr lenkte Charlotte Steffel die Geschicke der Bergader Privatkäserei. Zusammen mit ihrem Mann Waldemar Steffel führte sie das Unternehmen aus der Nachkriegszeit und entwickelte es zu einem erfolgreichen, international agierenden Mittelständler mit einem einzigartigen Spezialitätenkonzept. Noch bis vor kurzem wirkte Charlotte Steffel im Beirat des bayerischen Familienunternehmens mit, das inzwischen in dritter Generation geführt wird. Am 21. März feierte sie ihren 95. Geburtstag.

Geschäftsführer Frank Forstmann zeigte sich begeistert von dem Event: „Es ist fantastisch mit anzusehen, was die Athleten hier leisten und mit welcher Begeisterung sie vom Publikum empfangen werden. Wir sind stolz darauf, diese Veranstaltung als Partner unterstützen zu dürfen. Was uns hier alle miteinander verbindet ist die Leidenschaft für die Berge.“

Als Charlotte Weixler im Jahr 1945 die Führung des Unternehmens übernahm, war sie gerade 20 Jahre alt. Als Frau, noch nicht volljährig und unverheiratet, hatte sie es schwer, in der Geschäftswelt akzeptiert zu werden. Nach dem überraschenden Tod ihres Vaters Basil Weixler, dem Gründer der Bergader Privatkäserei, unmittelbar nach Kriegsende, übernahm die junge Charlotte die Verantwortung für die Fortführung der Molkerei. Unterstützt von ihrer Mutter Maria Weixler und ihrem späteren Ehemann Waldemar Steffel wuchs sie schnell in ihre neue Rolle als Unternehmenschefin hinein. Im Jahr 1946 heiratete Charlotte Weixler den Bankkaufmann Waldemar Steffel, der zusätzlich noch eine Ausbildung zum Molkereifachmann absolvierte. Mit viel Geschick und dem richtigen Gespür für den Markt gelang dem Paar der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und die Entwicklung der Käserei zum internationalen Markenartikler.

Spezialitätenkonzept und moderne Marktmethoden eröffnen neue Märkte

Die konsequente Fortführung eines Spezialitätenkonzepts, unternehmerischer Weitblick und moderne Marktmethoden schufen die Grundlage für den Erfolg im Heimatmarkt und zunehmend auch im Export. Als eine der ersten Molkereien in Deutschland erkannte man die Chancen im Export. Nach Österreich und der DDR startete die Käserei 1957 Geschäftsbeziehungen mit Griechenland. Über Sprachbarrieren und fehlende Erfahrungen in Vertrieb und Logistik hinweg gelang schließlich der Geschäftserfolg. Ab 1964 lieferte Bergader in den gesamten EWG-Raum. Mitte der 1970iger-Jahre exportierte das Unternehmen Käsespezialitäten aus Waging in 30 Länder weltweit.

Persönliche Beziehungen zu ihren Geschäftspartnern

Das Anbahnen von Geschäftskontakten geschah damals vorwiegend auf Messen und Ausstellungen. Dabei konnte Charlotte Steffel ihre Stärken ausspielen: „Es gelang ihr oft, sehr persönliche Beziehungen zu den Geschäftspartnern herzustellen, aus denen sich jahrzehntelange familiäre Freundschaften entwickelten“, erklärt Beatrice Kress, die heutige Unternehmenschefin bei Bergader und Tochter von Charlotte Steffel. Eine besonders enge Beziehung pflegte Charlotte Steffel stets zu den Milchlieferanten. Dabei legte sie viel Wert auf Partnerschaftlichkeit und Ehrlichkeit.

Bavaria blu - eine völlig neue Käsekreation

In den 1960er und 70er Jahren entwickelte sich Bergader mit Produktneuheiten zum Innovator in der Käsebedienungstheke. Die neu entwickelte Käsesorte „Bianco Alpenkäse“ und „Biarom“ , erster bayerischer Esromkäse in einer Range verschiedener Gewürzzutaten, bereicherten in ihrer Vielfalt die Aufschnitt-Theke. 1972 gelang dann der große Coup: Die Einführung des Bavaria blu, dem ersten Schimmelkäse, der Blau- und Weißschimmel gekonnt in Einklang brachte, war ein voller Erfolg. Bergader erhielt für diese einzigartige Käsekreation im Jahr 1979 den „Goldenen Zuckerhut“ und damit die höchste Auszeichnung der Lebensmittelbranche.

Die Innenministerin mit Herz

Charlotte Steffel war sich immer bewusst, dass der Erfolg der Käserei nur mit engagierten und zufriedenen Mitarbeitern gelingen konnte. Der selbstlose, beispielhafte Einsatz für die Belegschaft sowie deren optimale soziale Absicherung lag ihr besonders am Herzen. So führte sie Anfang der 1980er Jahre erstmals eine betriebliche Altersversorgung ein und unterstützte die Umsetzung des kooperativen Führungsstils, der bei den Mitarbeitern gezielt selbstständiges Denken, Handeln und Entscheiden fördern sollte. Außerdem führte sie fort, was schon immer fester Bestandteil bei Bergader war: eine tägliche warme Mahlzeit für ihre Mitarbeiter.

Verleihung des bayerischen Verdienstordens für ihre unternehmerische Leistung

Für ihr außerordentliches Engagement und ihre unternehmerische Leistung erhielt sie deshalb 1982 den Bayerischen Verdienstorden – überreicht von Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Bis 1986 leitete Charlotte Steffel mit viel Tatendrang das Unternehmen Bergader mit damals bereits rund 250 Mitarbeitern. „Sie wird von Mitarbeitern, Milchlieferanten und Geschäftspartnern bis heute für ihre vornehme Zurückhaltung, ihre Fröhlichkeit und ihre Heimatverbundenheit geschätzt“, erzählt Beatrice Kress, „nur in der Öffentlichkeit möchte sie mittlerweile nicht mehr stehen.“

Fortführung der Familientradition

Dennoch lässt es sich Charlotte Steffel nicht nehmen, mit ihren 95 Jahren noch das ein oder andere Mal einen Rundgang durch das Unternehmen zu machen oder dem Rentnerstammtisch der ehemaligen Bergader-Mitarbeiter einen Besuch abzustatten – und hat dabei für jeden einen charmanten Spruch auf den Lippen. Die Leitung von Bergader weiß sie in guten Händen: Wie es sich in einem echten bayerischen Familienunternehmen gehört, ist neben ihrer Tochter Beatrice Kress auch Enkel Felix Kress bereits in verantwortungsvoller Position im Unternehmen tätig.

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