Früh übt sich, wer ein Käsemeister werden will!

Die Bergader Privatkäserei bietet unter dem Motto „Von der Milch bis zum Käse – Diplom“ Waginger Kindern zwei Tage lang ein ausgefülltes Programm an.

28. Oktober 2004 - Und plötzlich waren Sie da. Vierundvierzig Kinderbeine, die aufgeregt um die Rezeption der Bergader Privatkäserei herum hüpften, zweiundzwanzig Augenpaare voller Erwartung auf mich gerichtet, zweiundzwanzig Kindermünder die fragten: „Machen wir jetzt richtigen Käse“?

Natürlich, machen wir, aber alles der Reihe nach. Zunächst einmal bekommt jedes Kind ein Namensschild, damit wir die kleinen Racker jederzeit wieder finden. Dann geht’s los. Unser erstes Ziel ist der Rambichlerhof in Taching. Dort werden wir schon von Martin Thaller und seiner Frau Irmgard erwartet.

In dem großen, sehr hellen und luftigen Laufstall stehen 85 Stück Vieh und staunen nicht schlecht über die Kinderschar, die da plötzlich die vormittägliche Ruhe durchbricht. In der Kinderstube räkeln sich die kleinen Kälber und sind gerne bereit, sich von liebevollen Kinderhänden auch mal streicheln zu lassen.

In der Futtergasse sind verschiedene Futterhaufen und Wassereimer aufgebaut. Dazu erklärt der Bauer uns: „Dies ist die Tagesration für eine Kuh, und die Wassermenge in den Eimern entspricht der Milchmenge, die die Kuh aus dieser Futtermenge erzeugt“. Großes Staunen. Die Kinder sitzen in der Stallgasse, befühlen und beschnuppern das Futter, und ein paar besonders wissbegierige probieren auch mal ganz vorsichtig wie das schmeckt.

Dann geht es weiter in den Melkstand. Auch hier sind die Kinder gute Zuhörer, und die vielen Fragen, die sie haben, zeigen ihr großes Interesse. Die Milch ist bereits abgeholt, wir werden später die Gelegenheit haben, zu erfahren, was aus ihr werden kann.

Bevor wir mit dem Bus wieder nach Waging fahren, gibt es noch eine kleine Stärkung. Die Kinder knabbern mit Begeisterung die vorbereiteten Karotten und Kohlrabi, trinken literweise Milch und freuen sich über frische Brezen und Wiener Würstel. „Na klar, Ketchup gibt’s auch dazu“.

Um 13:30 Uhr brechen wir in die Bergader Kantine ein, und obwohl die Kinder eigentlich recht leise sind, lockt der ungewöhnliche, fröhliche Lärm doch manchen Mitarbeiter an, der mal kurz reinschauen muss, um zu sehen, was da so los ist.

In einer großen Kanne haben wir nun die Milch, die am Morgen beim Bauern abgeholt wurde. In der Molkerei haben die netten Kollegen die Milch bereits „vorgereift“, d. h. sie wurde erwärmt und mit Milchsäure-Kulturen angereichert, damit wir unseren Käse auch wirklich rechtzeitig fertig bekommen.

Wir füllen die Milch in Schüsseln, die Kinder rühren vorsichtig das Lab ein, und dann heißt es geduldig warten. Damit uns dabei die Zeit nicht zu lang wird, bereiten wir die Zutaten für unseren Käse vor. Frau Schmuck hat alle Hände voll zu tun, damit beim Schnittlauch schneiden nicht versehentlich ein Kinderfinger geopfert wird. Herr Niedermaier hält alles mit der Kamera fest.

„Die Milch wird dick“ - große Aufregung. Mit kleinen Käseharfen schneiden die Kinder die Dickete, rühren den Bruch dann vorsichtig auf, damit die Molke sich absetzen kann, und füllen ihn in mit Käseleinen ausgelegte Siebe.

Dann wird der Käse gewendet und gewendet und gewendet, und endlich ist es soweit: Jedes Kind bekommt 1 Stück Käse in die Frischhaltebox, wendet ihn in den Kräutern und plant derweil genau, wer am Abend ein Stück davon probieren darf.

Zum Abschluss gibt es für jeden ein Käse–Diplom. Zuhause werden die Kinder sicher viel zu erzählen haben und wir auch.

Iris Finsterle