30.000 Euro-Spende für Hochwasseropfer
Die Bergader Privatkäserei verzichtet auf 100-Jahr-Feier.
1. Oktober 2002 - Das Augusthochwasser platzte mitten in die Vorbereitungen zur Jubiläumsfeier der Bergader Privatkäserei. Tief berührt von den Bildern der Zerstörung und Verwüstung durch das Jahrhunderthochwasser haben Geschäftsleitung und Betriebsrat beschlossen, auf das geplante Fest zum 100-jährigen Firmenjubiläum zu verzichten und mit dem dafür vorgesehenen Budget zur Unterstützung von Hochwassergeschädigten beizutragen. Beatrice Kress, geschäftsführende Gesellschafterin der Bergader Privatkäserei, und Betriebsratsvorsitzender Matthias Seidenfuß überreichten daher jetzt in Traunstein an Landrat Hermann Steinmaßl einen Spendenscheck über 30.000 Euro, um damit in Not geratenen Landkreisbürgern zu helfen.
Beatrice Kress, geschäftsführende Gesellschafterin der Bergader Privatkäserei und Betriebsratsvorsitzender Matthias Seidenfuß (links) überreichen an Landrat Hermann Steinmaßl einen 30 000-Euro-Scheck zugunsten in Not geratener Landkreisbürger.
Es sollte ein besonderes Fest für die Belegschaft, Pensionäre und zahlreichen Ehrengästen werden, zu der die Bergader Privatkäserei anlässlich ihres 100. Firmengeburtstags eingeladen hatte. Doch dann kam das Hochwasser und setzte Häuser, Geschäfte und ganze Landstriche unter Wasser. Das traditionsreiche Familienunternehmen in Waging am See blieb zwar von der Unwetterkatastrophe verschont, doch die Stimmung zum Feiern war dahin.
„Wie können wir ein Fest feiern, fröhlich und ausgelassen, wenn Tausende in Deutschland durch Regen und Flut Hab und Gut verloren, ihrer Existenz beraubt wurden?“, wandten sich Geschäftsleitung und Betriebsrat in einem Rundschreiben an alle Mitarbeiter. Die Entscheidung zur Absage des Festes habe man sich im Hause Bergader nicht leicht gemacht, so die Unternehmensleitung. Schließlich blicke das in dritter Generation geführte Familienunternehmen mit Stolz auf die Leistungen seiner Mitarbeiter zurück.
Was vor 100 Jahren als kleine Dorfkäserei begann, ist heute eines der führenden Familienunternehmen der deutschen Milchwirtschaft. An die 500 Mitarbeiter in drei Betriebsstätten sorgen dafür, dass jährlich etwa 22 000 Tonnen Schnitt- oder Weichkäsespezialitäten von höchster Qualität produziert werden. 35 Prozent des Umsatzes von derzeit etwa 130 Millionen Euro werden im Export erwirtschaftet – eine Quote, die in Zukunft weiter gesteigert werden soll. Drei Faktoren seien für den Erfolg von Bergader ausschlaggebend, so Beatrice Kress: „Unsere hohe Innovationsbereitschaft, ein erstklassiger Qualitätsstandard und die konsequente Ausrichtung auf ein Spezialitätensortiment“. Einen weiteren Beweis hierfür will sie schon zur Fachmesse InterMopro nächste Woche in Düsseldorf antreten. Es soll sich um eine völlig neue Weichkäse-Rezeptur handeln.
