100 Jahre Bergader - 100 Jahre mit Leib und Seele Privatkäserei

April 2002

Von der kleinen Dorfkäserei zu internationaler Käse-Kompetenz

Ein Familienunternehmen in dritter Generation feiert Geburtstag: 100 Jahre jung wird die Bergader Privatkäserei in diesem Jahr. Und wer kennt sie nicht: Bavaria blu, Bonifaz, Bergader Edelpilz, Bianco, Biarom oder Bergader Almkäse – Weich- und Schnittkäseköstlichkeiten aus dem oberbayerischen Voralpenland, die Käse-Liebhaber in aller Welt zum Genießen verführen.

Mit einem Umsatz von ca. 127 Millionen Euro zählt das Unternehmen zu den führenden deutschen Anbietern in den Käsebedienungstheken des Handels. Zunehmend erobert die Waginger Käserei auch das Kühlregal. Mehr als 500 Mitarbeiter in drei Betriebsstätten sorgen derzeit dafür, dass jährlich ca. 25.000 Tonnen Schnitt- oder Weichkäsespezialitäten von allerhöchstem Qualitätsniveau produziert werden. Etwa 35 Prozent des Umsatzes werden im Export erwirtschaftet. Ob in Österreich, Italien, Spanien, Australien oder Japan – weltweit finden die Waginger Käsespezialitäten immer mehr Liebhaber.

Die Anfänge

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte um die Jahrhundertwende. 1902 legte der 21-jährige Basil Weixler mit seiner Dorfkäserei im kleinen oberbayerischen Leobendorf den Grundstein für die heutige Bergader Privatkäserei. Zunächst stellte der gebürtige Allgäuer Bauernsohn und gelernte Käser im eigenen Betrieb deftige Käsespezialitäten wie Romadur und Limburger her.

Basil Weixler war nicht nur ein guter Käsemeister, er erwies sich als ebenso kluger Geschäftsmann. Mit dem Erwerb der Molkerei Traunstein-Haslach 1907 erweiterte er sein Sortiment. Neben Weichkäse wurden von nun an Butter und Frischmilcherzeugnisse produziert. Nach dem Ersten Weltkrieg begann eine weitreichende Expansionsphase. Weixler kaufte oder pachtete im Rupertigau alle Dorfkäsereien, die er bekommen konnte. Über die bayerischen Grenzen hinaus bis nach Preußen reichte sein schwungvoller Handel mit Landbutter.

Ein Traum wird wahr – der erste deutsche Edelpilzkäse ist kreiert

Zu jener Zeit tauchte zum ersten Mal ein Gedanke auf, der bis heute die Philosophie des Familienunternehmens bestimmt: eine Spezialität, etwas Besonderes, Einmaliges zu schaffen. Mit Gespür für den Zeitgeschmack entwickelte Weixler als erster Deutscher einen Edelpilzkäse mit dem Namen „Bayerischer Gebirgs-Roquefort“, der dem damals immer beliebter werdenden französischen Roquefort sehr ähnlich war.

Obgleich Weixler seinen Käse aus Kuhmilch und nicht – wie in Frankreich üblich – aus Schafsmilch herstellte, strengten die auf den Schutz ihres Originals bedachten Franzosen einen Gerichtsprozess an, der die Namensanleihe untersagen sollte. Den Prozess verlor Weixler nach acht Jahren. Dafür gewann er an Popularität, denn die gesamte Fachpresse hatte über den Aufsehen erregenden Prozess berichtet.

Und damit nahm die Karriere des Bergader Edelpilz, der auch heutzutage noch unverändert in den Geschäften zu finden ist, ihren Anfang. In den folgenden Jahren baute Basil Weixler ein Vertriebsnetz in ganz Deutschland auf. Als einer der ersten der Branche war er auf Messen und Ausstellungen vertreten. Unermüdlich rationalisierte und zentralisierte er die Dorfkäsereien in Waging, baute um und vergrößerte. Am 25. Juli 1945 – kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges – starb der Pionier der bayerischen Käsewirtschaft.

Eine Produktfamilie entsteht – Bergader in aller Munde

Im Alter von nur 20 Jahren übernahm seine Tochter Charlotte die Geschäfte. Gemeinsam mit ihrem Mann Waldemar Steffel bestimmte sie viele Jahrzehnte lang die Geschicke von Bergader. Noch immer gehört sie dem Beirat des Unternehmens an.

Unter ihrer Leitung stellte das Haus Bergader seine Kreativität und Innovationsfreude beeindruckend unter Beweis. Mit Bianco wurde im Jahre 1959 der erste deutsche halbfeste Schnittkäse eingeführt. Bis heute wird diese besonders rahmige Käsespezialität nach dem gleichen Rezept hergestellt. 1968 folgte als herzhaftes Pendant Biarom, der erste bayerische Esrom-Käse. Wenige Jahre später kamen verschiedene Gewürz-Varianten hinzu.

Bavaria blu – Inbegriff einer neuen Blauschimmel-Käsegeneration

Die Geburtsstunde einer neuen Blauschimmel-Generation schlug 1972. Mit der völlig neuen Käseschöpfung Bavaria blu, einer Weichkäse-Komposition aus edlem Weißschimmel außen und feinem Blauschimmel innen, traf Bergader auf eine echte Marktlücke. Es gelang, breite Käuferschichten zu erschließen, die bis dahin für Blaukäse nicht zugänglich waren. Für diese unternehmerische Leistung wurde Bergader als erste Käserei Deutschlands 1979 mit dem „Goldenen Zuckerhut“, einer begehrten Auszeichnung in der Lebensmittelbranche, prämiert.

Bonifaz – cremiger Genuss in Vielfalt

Schritt für Schritt wurden weitere Käsesorten kreiert: Bruder Basil war 1976 der erste naturgerauchte halbfeste Schnittkäse. Zwei Jahre später wurde die cremige Weichkäsespezialität Bonifaz eingeführt, die es heute in acht geschmacklichen Varianten von sahnig-cremig mit probiotischen Kulturen bis hin zu feurig-scharfem Peperonigeschmack gibt. Seit dem Jahre 2000 ist Bonifaz sogar in saisonalen Geschmacksvarianten auf dem Markt. Der von März bis September angebotene „Bonifaz Sommerzeit“ überzeugt durch die mediterrane, mit Basilikum und italienischem Pesto verfeinerte Rezeptur. „Bonifaz Winterzeit“, erhältlich von Oktober bis März, besticht mit einer feinen Nussmischung und edlem Trüffel.

Bergader Almkäse – echter bayerischer Urgenuss

Neue Impulse für die Käsetheke setzte Bergader zu Beginn des Jahres 2001 mit dem Produkt-Relaunch des Bergader Almkäse, der seit 1982 für seinen würzig- charaktervollen Geschmack und seine Naturreifung nach Originalrezeptur bekannt ist. Die veränderte Verpackungsgestaltung betont mit dem Motto „bayerischer Urgenuss“ die lange Käsetradition des Unternehmens. Daneben wurde die Rezeptur des an der Bedienungstheke überaus beliebten Rotkultur-Käses verfeinert.

Amoroso – liebevolle Gaumenfreuden

Als jüngstes Mitglied spielt Amoroso seit dem vergangenen Jahr in der Bergader-Erfolgsliga mit. Verantwortlich hierfür zeichnet Beatrice Kress, die 1998 von ihrer Beiratstätigkeit wieder in die Geschäftsführung wechselte. Pate für die milde und cremige Blauschimmel-Käse-Spezialität stand Giacomo Casanova, der in seinen Aufzeichnungen die aphrodisierende Wirkung des Blauschimmels verriet. Das ca. 600-g-Stück in der außergewöhnlichen Form eines halben Zylinders ziert ein Zitat des Liebhabers schöner Frauen und kulinarischer Freuden: „Die sinnlichsten Genüsse zu kultivieren, bildete die Hauptbeschäftigung meines ganzen Lebens. Niemals hat es für mich etwas Wichtigeres gegeben“.

Qualität und Umweltschutz – bei Bergader eng miteinander verknüpft

So unterschiedlich die Käsespezialitäten aus dem Hause Bergader in ihrer Charakteristik und Geschmacksrichtung auch sind – gemeinsam ist ihnen die gehaltvolle, würzige und gesunde Milch, welche die Voraussetzung für die einzigartige Qualität ist.

Das Milcheinzugsgebiet reicht vom Chiemgau über den bayerischen Rupertiwinkel hinein ins Berchtesgadener Land bis ins oberösterreichische Innviertel. In diesen Gebieten findet man noch viel unberührte Natur mit sauberer Luft. Die Milchbauern sorgen mit regelmäßigen Qualitätskontrollen dafür, dass nur hochwertige Milch an die Molkerei geliefert wird.

So ist es nur selbstverständlich, dass sich die Bergader Privatkäserei zu ihrer ökologischen Verantwortung bekennt. Im Jahre 1998 nahm das Unternehmen erstmals an der freiwilligen Umweltprüfung nach der Öko-Audit-Verordnung der Europäischen Union teil. Damit verpflichtete sich Bergader, Umweltmaßnahmen durchzuführen, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Ziel ist es, den Lebensraum Alpenvorland zu erhalten und den Aspekt Umweltschutz fest in der Unternehmenspolitik zu verankern. Im Dezember 2001 hat Bergader das Öko-Audit erneut bestanden.

Für ihr Qualitätsmanagementsystem (QMS) wurde Bergader bereits im Mai 1994 als erste deutsche Käserei nach DIN ISO 9001 zertifiziert. Das System bietet dem Kunden, also Handel und Konsumenten, ein gleichbleibend hohes Qualitätsniveau. Die Einhaltung der strengen Kriterien wird alle drei Jahre von unabhängigen Prüfern kontrolliert. Zuletzt wurde das Zertifikat im November 2000 erneuert.

100 Jahre Bergader – ein schöner Grund zum Feiern

Mit zahlreichen Aktivitäten für Handel und Konsumenten begeht die Bergader Privatkäserei ihre Jahrhundertfeier. Geplant sind Jubiläumsaktionen und attraktive Gewinnspiele für die Verbraucher, bei denen die Handelspartner einbezogen werden. Im zweiten Halbjahr steht klassische Werbung in Form von Anzeigen in der Publikumspresse auf dem Programm. Zusätzlich startet Bergader eine umfangreiche Image-Kampagne, um den Pioniergeist des Unternehmensgründers und die Bergader-Produkte dem Verbraucher transparenter zu machen.

Mit Qualität und Genuss erfolgreich in die Zukunft

Auch in Zukunft wird Bergader ein Familienunternehmen bleiben, das die Tradition großer Käsemarken erfolgreich fortsetzen wird. Gerade im Zeitalter des Massendiscounts wird Bergader traditionell den Absatzmarkt mit innovativen und hervorragenden Qualitätsprodukten erobern. „Bergader bedeutete stets Exklusivität und besonderes Genusserlebnis. Wir werden weiterhin besondere Käsesorten kreieren und unseren eigenen Weg gehen“, so Geschäftsführerin Beatrice Kress.