Unsere „Milchoase“ muss beschützt werden!

Heimische Milcherzeuger und Molkereien kämpfen mit Preisdruck aus Frankreich und Dänemark

Waging am See. Recht diskutierfreudig waren die Milcherzeuger aus dem Einzugsgebiet der Bergader Privatkäserei über die Marktlage bei der Milch. Rund 500 Bäuerinnen und Bauern haben an den vier Versammlungen teilgenommen, bei denen der Geschäftsführer Hans Burger und der Leiter der Milcherzeugerbetreuung Johann Krautenbacher über die Entwicklungen des Milchmarktes, über Absatz, Wettbewerb und Handel informierten.

Versammlung der Milcherzeuger 2008.

Es ist natürlich bekannt, dass die Milcherzeuger bei uns in der Region von der Kostenstruktur ganz klar gegenüber den großen Höfen in England und Dänemark benachteiligt sind, so Krautenbacher. Liefert ein Betrieb bei uns im Schnitt 150.000 Liter im Jahr, sind es in England oder Dänemark schon 800.000 Liter und darüber. Die dichtesten Milchgebiete in Europa sind von Nordfrankreich, über Belgien, Niederlande bis Dänemark, und von Westfrankreich über Wales und Ost-England bis Irland und abgetrennt von diesen großen Milchgebieten bei uns in Südbayern. Krautenbacher bezeichnet deshalb unsere Region als so genannte „Milchoase“, die unbedingt bewahrt und gepflegt werden muss.

Gerade in Sachen Qualität kann kaum jemand mit den heimischen Milcherzeugern mithalten. Diese hervorragende Milchqualität ist die Grundlage für so hochwertige Käse, wie Bavaria blu und Bonifaz aus Waging. Daher ist es sehr wichtig, dass den Bauern ein guter Milchpreis bezahlt wird, aber gleichermaßen muss man sich den Wettbewerbern stellen. Und gerade in Ländern wie Dänemark und Frankreich sind die härtesten Konkurrenten der Deutschen Käsereien angesiedelt, so Krautenbacher weiter. Manche Wettbewerber sind 50 x größer als die einheimische Bergader Privatkäserei. Da die Milchpreise im europäischen Ausland teilweise deutlich niedriger sind als bei uns im Chiemgau, ist es schwierig am Markt mitzuhalten und dem Handel ähnlich günstige Preise zu machen, erklärt Krautenbacher. Des Weiteren sorgt ein deutschlandweit sinkender Butterpreis dafür, dass zu befürchten ist, dass der Milchpreis wieder sinkt. Die größte deutsche Molkerei, die Nordmilch macht es mit einer Preissenkung auf 35 Cent schon vor. Betrachtet man die Milchpreisentwicklung der letzten Jahre in Europa und in den USA, ist zu befürchten, dass wir die gleichen extremen Schwankungen zu erwarten haben, wie in Amerika.

„Wir sind am richtigen Ort, wir haben fleißige Bauern, die hervorragende Milch erzeugen und wir haben Käsespezialitäten wie Bavaria blu in allerbester Qualität. Wenn unsere Wettbewerber in etwa die gleichen Milchpreise wie wir bezahlen, dann werden wir auch in Zukunft bestehen. Hier ist auch das Kaufverhalten wichtig! Die Verbraucher in unserer Region können unsere Milchbauern unterstützen und den Absatz fördern, indem sie sich ein Produkt kaufen, dass aus heimischer Milch hergestellt wird und nicht einen französischen oder dänischen Käse. Die Devise lautet hier: Aus der Region, für die Region! Und das sollte sich jeder zu Herzen nehmen!“, so Krautenbacher abschließend.